Gönnhardt: Kapitel 42

Geknickt und gekränkt.

Die paar Leser, die der Karlsruher Morgen vorweisen konnte, und deren Anteil, der sich bis zum Lokalteil quälte, nahm die Nachricht grummelnd auf.

Es rief ihnen und den Menschen, denen es zugetragen wurde, ins Gedächtnis, dass sie die Tiere und den gesamten Bereich um das Schloss durch ihre Steuergelder, Gebühren und Abgaben finanzierten. Viele erinnerten sich, schon länger keinen Abstecher mehr durch die Grünanlagen gemacht zu haben. Ein plumpes Jetzt erst recht war das Gebot der Stunde. Wenn die Tiere schon so viel kosten, sollten sie wenigstens den Schlossgarten teilen müssen.

Wer im Schlossgarten war, traf auf die Füchse. Denn diese verbrachten viel Zeit draußen. Es blieb ihnen auch nichts anderes übrig. Den Innenraum besetzten die Wölfe … >>> weiterlesen

Gönnhardt: Kapitel 43

Es hat Klick gemacht.

Hätte man versucht, es ihnen zu erklären, sie hätten es nicht verstanden. Zum Glück machte sich niemand die Mühe die Zusammenhänge von Technik, Reichweite und Stimmungsmache im Internet zu erklären. Der Auftritt der Füchse wurde über Nacht zum viralen Hit.

Der Zaungast während der Menschenparodien war ein schlaksiger, junger Mann gewesen. Er war immer auf der Suche nach Material, das er ins Internet stellen konnte. So zog er in fast jeder freien Minute durch die Gegend. Auch an diesem Tag war der lange Lulatsch auf der Suche nach Motiven, die er gegen die virtuelle Währung der roten Herzen, ausgestreckten Daumen und leuchtenden Sterne tauschen wollte. Mit gezückter Kamera streifte er durch den Park hinter dem Schloss … >>> weiterlesen

Gönnhardt: Kapitel 44

Guten Mittag.

Die Füchse wähnten sich in Sicherheit, ein entspannter Vormittag sollte anstehen. So überfressen, wie die Wölfe sein mussten, sollte der Verdauungsschlaf ein paar Stunden in Anspruch nehmen. Flüsternd und auf Zehenspitzen schlichen die Füchse aus dem Schloss. Dann machten sie es sich in der erstbesten Grünanlage gemütlich. Dieses Gras war vielleicht weich. Die Gähner wurden länger, die Augenlider schwerer, der Körpermittelpunkt tiefer. Irgendwann begann Florentine zu schnarchen. Reinholdt übernahm alsbald die Zweitstimme. Der Rest der Füchse komplettierte den Holzfäller-Chor Minuten später.

Doch dieses himmlische Baumsägen war nur von kurzer Dauer.

Ich wünsche einen wunderschönen guten Mittaaag!

Der Singsang ließ die Füchse aufschrecken. Anne stand mit breitem Grinsen auf dem Kiesweg. Sie winkte den Füchsen, die sich auf einer … >>> weiterlesen

Gönnhardt: Kapitel 45

Ausgeschlafen.

Während Anne und Bertram Gönnhardt mit warmen Worten weichklopften, legte Gorra ein paar Luftmeter entfernt eine ganz andere Ausdrucksweise an den Tag.

Sie stand wütend am Fenster. Von dort beobachtete sie nun schon eine Weile die Menschen, die sich auf dem Vorplatz sammelten. Immer mehr Menschen trafen ein. Sogar der Platz der Grundrechte, der sich noch vor dem Vorplatz befand, wurde voll. Die Masse an Menschen beeindruckte gewaltig. Es waren weit mehr Bürger als in den Wochen davor. Zu jedem Grüppchen, das eintraf gab Gorra einen bösen Kommentar ab. Bald standen alle Wölfe Reih an Glied am Fenster.

Menschenhasser Gorra stachelte die anderen auf: Wir uns das nicht bieten lassen. Das ist unter Schloss! Damit traf sie einen Nerv. … >>> weiterlesen

Gönnhardt: Kapitel 46

Gegenüberstellung.

So standen sich Gönnhardt und die Demonstranten unverhofft gegenüber.

Es rumorte in der Ansammlung, deren Anführer Marc war. Dessen Lebensabschnittspartnerin Larissa stand schräg hinter ihm. Als der Fuchs näher kam, wich Larissa ein paar Schritte zurück und von der Seite ihres Mannes. Die Beziehung lief erst seit ein paar Monaten, da lässt man sich für den Göttergatten in Spe noch nicht das Gesicht von einem bösen Fuchs zerbeißen. Absolut nachvollziehbar, dass sie Sicherheitsabstand suchte. Außerdem, so rechtfertigte sie ihre Treulosigkeit, war sie heute nur Marc zuliebe dabei. Sie litt schon seit zwei Tagen unter Migräne.

Durch den Rückzieher war es eine Begegnung unter vier Augen: Gönnhardt stand links, Marc rechts. Und wenn man auf die gegenüberliegende Seite wechselte war … >>> weiterlesen

Gönnhardt: Kapitel 47

Übermut tut weh.

Diese Gegenüberstellung hatte das Blut in Wallung gebracht. Voller Energie stürmten die Füchse in den Keller. Was sie dort vorfanden gefiel ihnen ganz und gar nicht. Der sonst so ordentliche Keller sah aus wie die Abstellkammer eines Messis. Es herrschte ein Chaos, das an einen Einbruch erinnerte.

Nach kurzer Aussprache war ihnen klar, wer dafür verantwortlich sein musste. Es konnten ja nur die gewesen sein. Nach dem sie hunderten, tausenden, nein MILLIONEN von Menschen die Stirn gezeigt hatten, wirkten diese paar Wölflein wie ein Klacks. Denen ein für alle Mal zu zeigen, wo der Hammer hing, sollte das Sahnehäubchen dieses Tages werden. Zu dem Adrenalin der Füchse gesellte sich eine stattliche Portion Wut. Die Gruppe verließ >>> weiterlesen

Gönnhardt: Kapitel 48

Tage des Terrors.

Da die Sache mit der Demonstration für ein paar Tage ruhte, hätte sich die Lage zwischen den beiden Tierarten wieder auf ein erträgliches Niveau einpendeln können. Doch da spielten die Wölfe nicht mit. Die Wölfe waren auf Krawall aus. Es folgten Tages des Terrors.

Selbst Bugar war nun überzeugter Fuchsgegner. Nach dem Streit mit den Füchsen war er aufgewühlt, die sonst so uneinfühlsamen Wölfe redeten ihm gut zu. Und trichterten ihm dabei Hass ein. Besonders Zmirka fand Gefallen an diesem Psychospiel: In Eile du bisschen gewütet. Nicht schlimm, kein Grund ausrasten. Du musst Füchse dafür bestrafen.

Auch Hammak und Drohl arbeiteten sich an Bugar ab. Die beiden Brüder brachten ihm Kämpfen bei. Gorra war unterdessen für … >>> weiterlesen

Gönnhardt: Kapitel 49

Hinten bis vorne.

Guido: Gut. Dann weiß ich ja, was ihr heute essen wollt. Da brauch ich nur noch was Unappetitliches für die Wölfe. Vielleicht trockenes Brot und abgestandenes Wasser?!?

Schorschi: Nein! Lieber abgestandenes Brot und trockenes Wasser.

Guido lachte laut auf. Schorschis gute Laune hatte ihn angesteckt. Der dicke Fuchs war immer Feuer und Flamme, wenn es um den Speiseplan ging. Guido prustete: Was deren Fraß angeht, bist du kreativ wie dieser Indie-Autor Anderson Bens. Oder wie der heißt.

Es hätte zwar nichts gebracht, wenn Schorschi und Guido geflüstert hätten, doch diese Sorglosigkeit machte die Wölfe noch wütender. Bugar und Hammak lagen nämlich auf der Lauer. Den Müllberg, an dem sich Guido, Schorschi und Claudette gerade zu schaffen machten, … >>> weiterlesen

Gönnhardt: Kapitel 50

Köpfchen haben.

Nur Schorschi freute sich auf den Abend. Er dachte an das Essen, die restlichen Füchse an die geladenen Gäste.

Es stand ein Treffen unter dem Motto Projekt Eigenheim an. Da Anne ja selbst in die Geschichte verwickelt war, setzten die Füchse ihre Hoffnungen vor allem in sie. Der Plan, den die Füchse in ihrer langen Nacht ausgeheckt hatten: Wir laden Anne und die Tierschützer der Tierschutzcrew Karlsruh‘ ein, die helfen uns bei der Wohnungssuche, Geldbeschaffung und vielleicht beim Umzug.

So baten sie Guido am nächsten Morgen, Anne und Freunde einzuladen. Guido hatte vollstes Verständnis, er setzte sich sofort ans Telefon. Doch es blieb vorerst beim Versuch, Anne und Freunde einzuladen. Denn es ist gar nicht so einfach eine … >>> weiterlesen

Gönnhardt: Kapitel 51

Krieg.

Die Bordsteine waren bereits hochgeklappt, die Fußmatten eingerollt. In diesem Viertel konnte man seinen eigenen Herzschlag hören. Karlsruhe war in manchen Belangen einfach ein verschlafenes Nest.

Es war eine schwüle Nacht. Aufgeheizte Luft verweilte auf den Straßen, sie drückte auf den Asphalt. In den umliegenden Häusern war es derart warm, Fenster, die sonst verschlossen waren, mussten geöffnet werden. Die halb heruntergelassenen Rollläden sollten vor unerwünschten Blicken schützen, allerdings keinem Windstoß Gegenwehr leisten. Die Beamten und Sachbearbeiter, die in diesen Wohnungen mit ihrem Anhang hausten, schlummerten friedlich. In Gedanken waren sie bestimmt bei den zehn Tagen Freiheit, die der All-Inclusive-Urlaub im Ferienressort symbolisierte. Träumen war einfach etwas Schönes.

Draußen spielten die Ampeln tapfer ihr Farbspiel, obwohl sie in Stunden wie … >>> weiterlesen