Gönnhardt: Kapitel 44

Guten Mittag.

Die Füchse wähnten sich in Sicherheit, ein entspannter Vormittag sollte anstehen. So überfressen, wie die Wölfe sein mussten, sollte der Verdauungsschlaf ein paar Stunden in Anspruch nehmen. Flüsternd und auf Zehenspitzen schlichen die Füchse aus dem Schloss. Dann machten sie es sich in der erstbesten Grünanlage gemütlich. Dieses Gras war vielleicht weich. Die Gähner wurden länger, die Augenlider schwerer, der Körpermittelpunkt tiefer. Irgendwann begann Florentine zu schnarchen. Reinholdt übernahm alsbald die Zweitstimme. Der Rest der Füchse komplettierte den Holzfäller-Chor Minuten später.

Doch dieses himmlische Baumsägen war nur von kurzer Dauer.

Ich wünsche einen wunderschönen guten Mittaaag!

Der Singsang ließ die Füchse aufschrecken. Anne stand mit breitem Grinsen auf dem Kiesweg. Sie winkte den Füchsen, die sich auf einer kleinen Wiese verteilt hatten und erschöpft aufblickten, euphorisch zu. Anne hatte übertrieben-gute Laune im Gepäck. Es war die Sorte quirliger Art, die nicht ansteckend war, sondern krank machte. Es dauerte ein paar Sekunden, bis die Spinnweben des Halbschlafes weg waren. Dann fiel den Füchsen auf, welcher Tag heute war: Donnerstag – Demotag. Die Laune fiel vom Keller in die Tiefgarage.

Reinholdt: Oh nein, nicht die.

Gönnhardt: Na toll.

Claudette: Wieso nicht Guido?

Welch nette Begrüßung, dachte Anne.

Einzig Schorschi war von Annes Antlitz angenehm überrascht. Er zapfte ein paar Energiereserven aus einem seiner unzähligen Fettpolster an. Schorschi war so schnell, Scotty musste ihn binnen zweier Augenblicke in die und aus der Enterprise gebeamt haben. Er saß urplötzlich erwartungsvoll vor Annes Füßen, während er mit dem Schwanz wedelte.

Anne räusperte sich, guckte verlegen in die Luft. Schließlich legte sie einen milden Ton auf und flötete Worte Richtung Schorschi.

Anne: Duhuuu, der Tim, der kommt heute nicht.

Schorschi war verdutzt. Der erwartungsvolle Blick blieb daher erhalten. Anne setzte nach, sie faselte etwas von einer Erkältung. Eine dreiste Notlüge, denn eigentlich war Tim in kurzer Hose und T-Shirt bei einem Spielkameraden. Tierliebe in allen Ehren, doch als Anne auf eine der Fächerstraßen des Schlosses einbog, sah sie ungewöhnlich viele Menschen, die ihr nicht geheuer waren, Richtung Schloss strömen. Kurzerhand lud sie ihren Sohnemann bei eben jenem Spielkameraden ab.

Wahrscheinlich waren Schorschi und Tim seelenverwandt, beide waren in diesem Moment traurig und wünschten sich den anderen herbei. Auch der kleine Junge amüsierte sich nicht. Der andere Bub war eben nur Kamerad, aber nicht Freund. Quälgeist traf es jedoch noch besser: Er bewarf Tim bei jeder Gelegenheit mit Sand und haute ihn mit Stöcken. Tim war das Opfer einer Vierecksbeziehung. Er war einer der vielen Leidtragenden einer erzwungenen Freundschaft zwischen Kindern, wenn die Mütter sich verstehen.

Anne lenkte geistesgegenwärtig vom Thema ab. Sie konnte ihre Schuldgefühle direkt beiseite wischen. Sie rief Bertram zu sich und deutete mit der Hand auf ihren Rucksack. Wo Tiefen, da Höhen. So schnell wie Schorschis Laune sank, stieg die von Bertram.

Anne: Bertram, schau dir das mal an.

Bertram riss die Augen auf, als Anne das Gepäckstück abzog und den Reißverschluss aufzog. Anne hatte ihm ein ganz besonderes Geschenk mitgebracht. In Bertrams Augen spiegelte sich ein schwarzer Kasten Hoffnung. An diesem Abend würde er keine Vorführung von Claudette als Wolf im Schafspelz ertragen müssen. Die Füchsin fand in den Kisten im Keller nämlich immer neue Tierfelle und damit auch ihr vermeintliches schauspielerisches Talent. Bertram würde in eine andere Realität flüchten können. Anne hatte ihm einen kleinen Fernseher mitgebracht. Es war kein smarter, aber er würde ihn bestimmt ablenken können.

Bertram machte einen zufriedenen Seufzer und schleckte Annes Hand ab. So emotional war Bertram noch nie gewesen! Bertram war an diesem Tag Annes größter Fan. Sie hätte die komplette Satzung der Tierschutzcrew Karlsruh’ (32 DIN A4 Seiten in Schriftgröße 10!) vorlesen können, er wäre bis zum allerletzten Punkt aufmerksam, zahm und geduldig gewesen. Um diese Leistung zu verdeutlichen: Der fünfte Absatz behandelte beispielsweise die Wirkung von Rot auf Tiere und schloss mit der ausführlichen Empfehlung, diese Farbe bei der Kleidungswahl spärlich einzusetzen.

Bertram hätte am liebsten direkt geglotzt, aber so ein Fuchs hat Manieren. Normalerweise war Gönnhardt der einzige, der donnerstags den Großteil von Annes Plappern über sich ergehen ließ. Bertram tat es üblicherweise seinen Freunden gleich. Die anderen Füchse suchten sich ein Plätzchen außer Hörweite, wenn Anne loslegte. Bertram vervollständigte und ermöglichte an diesem Tag ein Dreiergespann.

Gönnhardt, Bertram und Anne saßen nebeneinander und klagten sich ihr Leid beziehungsweise versuchten die Lage schönzureden. Gönnhardt hatte ein schlechtes Gefühl, doch Anne wollte positive Energie verbreiten. Was eigentlich Tatsache war, nämlich dass heute viel mehr Leute als sonst demonstrierten, wurde zur Spinnerei erklärt. Bertram war nur halb bei der Sache, er wechselte die Meinung wie Stühle bei der Reise nach Jerusalem. Dabei schielte er immer wieder auf den Fernseher wie ein Chef in den Ausschnitt seiner Sekretärin. Er musste sich vergewissern, dass dieser wunderbare Fernsehapparat noch da war.

Anne: Das alles ist doch gar nicht so wild. Die stehen da vorne doch nur herum, und schreien dummes Zeug.

Bertram: Bleib ruhig, Gönnhardt. Das ist doch nur eine Wiederholung, es ist jede Woche das gleiche Fernsehdrama. Überleg dir lieber mal, was du heute anschauen willst. Vielleicht erlaube ich es ja, wenn ich es gut finde.

Ein schlechtes Gefühl löst sich selten aufgrund von guter Zurede auf, Gönnhardt gab also ordentlich Kontra. An diesem Tag war es einfach anders. Anne hätte dies bejahen, von dem Internetvideo und der dazugehörigen Resonanz erzählen können, stattdessen verlor sich Anne in Allgemeinplätzen.

Anne: Man muss die Meinung der anderen respektieren.

Bertram: Außer wenn man nicht zustimmt.

Anne und Bertram widersprachen sich, und waren sich doch einig. Entsetzlich. Gönnhardt hatte keine Lust mehr, sich gegen die beiden zu stellen. Gönnhardt gab nach, er erwiderte nichts mehr, obwohl sein spezielles Talent doch war, dass er immer etwas zu meckern finden konnte.

***

Dieses Kapitel ist ein Teil des Buches Gönnhardt: Füchse, Kriege, Flüchtlingskrise. Ich hoffe, dass dir die Kostprobe gefallen hat. Ich denke allerdings, dass es mehr Spaß macht, wenn man das Buch als Komplettpaket liest. Was dich trennt? Die Bestellung. Keine Sorge: Falls du das Buch kaufen möchtest, musst du nicht viel Geld ausgeben.

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