Gönnhardt: Kapitel 49

Hinten bis vorne.

Guido: Gut. Dann weiß ich ja, was ihr heute essen wollt. Da brauch ich nur noch was Unappetitliches für die Wölfe. Vielleicht trockenes Brot und abgestandenes Wasser?!?

Schorschi: Nein! Lieber abgestandenes Brot und trockenes Wasser.

Guido lachte laut auf. Schorschis gute Laune hatte ihn angesteckt. Der dicke Fuchs war immer Feuer und Flamme, wenn es um den Speiseplan ging. Guido prustete: Was deren Fraß angeht, bist du kreativ wie dieser Indie-Autor Anderson Bens. Oder wie der heißt.

Es hätte zwar nichts gebracht, wenn Schorschi und Guido geflüstert hätten, doch diese Sorglosigkeit machte die Wölfe noch wütender. Bugar und Hammak lagen nämlich auf der Lauer. Den Müllberg, an dem sich Guido, Schorschi und Claudette gerade zu schaffen machten, hatten sie extra zu ihrer Belustigung angelegt. Die beiden lagen in Hörweite und Sehnähe. Dadurch bekamen sie mit, welches Spiel mit ihnen gespielt wurde. Das schlechte Essen der letzten Tage wurde also weder aufgrund von Kosteneinsparungen noch fehlender Haussklaven serviert, sondern wegen den Füchsen. Diese Frechheit wollten die Wölfe natürlich nicht auf sich sitzen lassen.

Die anschließende Unterredung trug Bald Früchte. Zmirka heckte etwas aus, das so böse war wie Stiefmütter im Märchen. Die Ausführung erforderte zwei Truppen, die auf zwei Schauplätze verteilt wurden. Der Einfachheit halber nennen wir sie Einsatzgruppe A auf Standort D und Arbeitstrupp B auf Gebiet C.

Die Aufgabe der Einsatzgruppe A war Provokation und Ablenkung. Hammak, Gorra und Drohl bildeten das A-Team. Die Gruppe schwärmte umgehend aus, weil sie sich auf ihren Arbeitsauftrag freute. Sie suchten Stress und fanden ihn auf einer Grünfläche, die ab sofort auch als Standort D bekannt ist.

Die Füchse dösten vor sich hin, als Drohl brüllte: Hurra! JETZT! Wölfe da!

Dann wurden die Füchse auch schon mit Beleidigungen überzogen. Viel Neues bekamen sie nicht zu hören. Dass sie faule Fellfetzen und untrainierte Untertiere waren, hatten sie schon das ein oder andere mal an die Köpfe geworfen bekommen. An diesem Tag war es erst das dritte mal, damit lagen die Wölfe bisher unterm Tagesschnitt.

Gorra bemerkte schnell, dass sie einen wunden Punkt brauchten, um die Füchse auch wirklich provozieren und dadurch ablenken zu können.

Gorra: Guido ist so dumm, seine Mutter ist fett.

Was für andere die Beleidigung der Familienehre war, war für Claudette eine Beleidigung des noblen Herren Guido. Sie war auf 180. Claudette sprang auf diese Unverschämtheit nicht nur an, sie sprang auf und ging Stirn-an-Schnauze mit Gorra.

Claudette aus zusammengepressten Zähnen: Deine Mama ist so dumm, dass du ihr Kind sein könntest!

Damit war alles über Mütter gesagt, denn Drohl wechselte zu dem, was er am besten konnte: Drohen. Drohl: Drohl Guido beiß!

Das ging nun auch für den Rest der Füchse zu weit. Damit hatten die Wölfe die Füchse in einen handfesten Streit verwickelt. Florentine stellte sich Drohl entgegen, dann rückte Reinholdt vor den furchteinflößenden Hammak. Hätten die Füchse geahnt, was sich währenddessen woanders abspielte, sie hätten die Beine in die Hand genommen und diese plumpen Provokationen hinter sich gelassen.

In den nächsten Minuten wurde von beiden Seiten gestichelt. Es war viel heiße Luft, die Wölfe wussten schließlich auch, dass nur noch Guido sie mit Essen versorgte und sich um das Schloss kümmerte.

Bertram war der erste, der die Ohren spitzte. Hatte er sich dieses Geräusch nur eingebildet? Dieser Moment des Hinterfragens genügte, um sich die Situation zu vergegenwärtigen. Wenn drei Wölfe hier für Angst und Schrecken sorgten, wo war denn dann der Rest? Diese Lausbuben und Flohmädchen waren doch bei ihren Angriffen immer auf einem Haufen.

Klirr!

Dieses Gerumpel war nicht imaginär. Diese Glasscherbe wurde nicht in Bertrams Einbildung, sondern in diesem Raumzeitkontinuum, in dieser Dimension zertrümmert. Und wo genau? Der Lärm kam natürlich aus dem Keller, dem Gebiet C.

Von Gefühlen übermannt spurtete Bertram Richtung Schloss.

Gorra bemerkte, dass das Ablenkungsmanöver aufgeflogen war: WEG! WEG! Rückzug!

Im Schloss sah Bertram Bugar und Zmirka noch aus dem Keller huschen.

Bertram ging auf weichen Knien in wackeligen Beinen in den Keller. Dabei betete vor sich hin: Bitte nicht, bitte nicht, bitte nicht.

Oh doch.

Arbeitstrupp B war fleißig gewesen. Im Bereich der Füchse herrschte Verwüstung. Kein Gegenstand stand mehr auf dem ihm angetrauten Platz.

Bertram: Oh.

Bertrams Fernseher lag auf dem Boden. Er blickte auf den zerstörten Fernseher und zuckte zusammen, irgendetwas musste in diesem Moment in ihm kaputtgegangen sein. Die Bildfläche unten, rechts und links Scherbenhaufen. Er hatte die Situation blitzschnell analysiert. Dennoch musste er ein paar Runden drehen, um zu akzeptieren, dass es war, wie es war. Er schnupperte hier mit der Schnauze, knurrte sich dort die Aggressionen aus dem Körper.

Bertram verbrachte ein paar Minuten im Keller. Dann ging er die anderen holen.

Gönnhardt und Konsorten traf ein Schlag. Bertram hatte seine Freunde vorgewarnt, doch die Realität war viel schlimmer als die Vorstellung, die in etwa der hinterlassenen Unordnung entsprach, als Bugar alleine zu Werke gewesen war. Bugar und Zmirka hatten ganze Arbeit geleistet. Keine Kiste war auf der anderen geblieben, sogar alte Kleidungsstücke der Menschen waren wild verteilt. Mit einer detailverliebten Besessenheit hatten die Wölfe umdekoriert.

Und das Salz in der Wunde: Die Wölfe hatten sie nach allen Regeln der Kunst ausgetrickst. Jeder Fuchs hatte einen Verlust zu beklagen. Natürlich erlebte keiner ein Waterloo wie Bertram, und da Bertram die Fassung bewahrte, erlaubte sich kein anderer Fuchs auszurasten. Ruhe war bei den Füchsen ansteckend.

Gönnhardt: Das kann es doch nicht sein. Sogar an meinem Hut waren diese Monster.

Es fiel bei dem Ausmaß der Unordnung zwar nicht ins Gewicht, aber der Hut von Gönnhardt war tatsächlich durch Bissspuren geschändet. Gönnhardt schaute zu Bertram, der bedröppelt auf den Boden blickte. Eines der Monster hat sich seine alte Melone auf der Zunge zergehen lassen! Das war zu viel! Gönnhardt konnte nicht so ruhig bleiben wie sein Freund. Diese Unverschämtheit war kein Tropfen auf dem heißen Stein. Es war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Gönnhardt: Ich bin fuchsteufelswild!

Übrigens: Wut ist unter den Füchsen ebenfalls ansteckend.

Reinholdt: Mir reicht es. Wir waren lange genug fuchsgottesruhig.

Claudette: Wir machen ihre Sachen kaputt!

Die Füchse stachelten sich gegenseitig auf.

Reinholdt war dabei, die Füchse in die Schlacht zu führen. Gönnhardt war schon einen Schritt weiter, er stand bereits am oberen Ende der Kellertreppe. Gönnhardt drehte sich zu seinen Freunden um. Er hatte die Art von schockiertem Gesichtsausdruck, die für Stille sorgt. Dann machte er die Art von ruckartiger Bewegung, die die anderen leise zu ihm emporsteigen ließ.

Oben fand eine Absprache statt. Da nur wenige Meter entfernt, waren die Worte der Wölfe deutlich verständlich.

Zmirka: … keine Beweis. Wenn hoch kommen, töten wir einen von ihnen. Mensch da Zeuge. Alles gut für Wolf.

Drohl: Du hier Hammak. Wenn Füchse Angriff, du beiße tot.

Hammak erwiderte erheitert: Dann traurig alles Fuchs.

Mit jedem Wort wurde Gönnhardt klarer, dass die Wölfe einen Hinterhalt planten. Und die Füchse würden in ihre Falle zu tappen, sollten sie jetzt einer nach dem anderen aus dem Keller kommen und angreifen.

Sie warteten dicht aneinander gedrückt ab.

Schminkfit: Ja, meine Herren Wölfe. Was wollen Sie mir denn zeigen?

Gönnhardt erklärte den anderen, dass Schminkfit das Alibi für die tödliche Verteidigung der Wölfe war.

Zmirka: Du warte. Gleich sehe.

Schminkfit, der Mensch da, sollte bezeugen, wie die Füchse die Wölfe angriffen.

Bertram nickte anerkennend, das war clever. Die Erkenntnis, dass die Wölfe ihnen eine lebensbedrohliche Grube gegraben hatten, war keinesfalls der Dämpfer, der die erhitzten Gemüter beruhigte. Zurück auf ihrem Bett begann Florentine mit den Schuldzuweisungen: Wärst du nur nicht so verfressen gewesen, Schorschi.

Reinholdt: Gönnhardt, du hast uns diesen ganzen Schlamassel eingebrockt.

Bertram aufgebracht: Ich wünschte, ich hätte in unserem alten Fuchsbau einfach meine Ruhe.

Gönnhardt: Ja, ja. Du hättest auch einfach netter zu den Menschen sein können.

Weil stets ein Fuchs an der Kellertreppe Schmiere stand, waren sie im Bilde, was oben vor sich ging. Die Füchse zankten selbst dann noch, als Schminkfit schon längst verschwunden war. Sie stritten selbst dann noch, als die Wölfe das Interesse verloren und ihr Mordkomplott begraben hatten.

Nach ein paar Stunden waren genug böse Worte gewechselt. Die Füchse entschuldigten und vertrugen sich, saßen aber immer noch beieinander. Erst schweigend, dann nachdenklich, schließlich wortkarg.

Kurz bevor die Müdigkeit vollends übernahm, wurden die Vorschläge endlich konstruktiv. Man einigte sich darauf, Hilfe zu holen. Danach wünschten sich die Füchse eine gute Nacht.

***

Dieses Kapitel ist ein Teil des Buches Gönnhardt: Füchse, Kriege, Flüchtlingskrise. Ich hoffe, dass dir die Kostprobe gefallen hat. Ich denke allerdings, dass es mehr Spaß macht, wenn man das Buch als Komplettpaket liest. Was dich trennt? Die Bestellung. Keine Sorge: Falls du das Buch kaufen möchtest, musst du nicht viel Geld ausgeben.

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