17. Dezember, 13 Uhr 19

Gestern war ein Tag voll Höhen und Tiefen wie in der Oper. Es war eine Berg- und Talfahrt wie die Tour de France in den Pyrenäen und Alpen.

Nachdem es an der Tür klingelte, bin ich zusammengefahren wie eine Fahrgemeinschaft. Zu viel Adrenalin auf einmal. Obwohl ich auf irgendwas – eine Reaktion, ein Zeichen, einfach etwas – gewartet habe, musste ich mich zwingen, nicht einfach zu verharren. Mit zittrigem Finger habe ich den Knopf zum Öffnen gedrückt. Dann tapste ich unsicher ins Treppenhaus, um zu sehen, wer da hochkam. Ich verfluchte mich, aufgemacht zu haben. Ich wusste, dass ich es mir nie verzeihen würde, wenn ich die Kriminalpolizei reingelassen hätte. Er/sie/es war schnell. Ich hörte Schritte – nein, Sprünge. Jemand >>> weiterlesen

17. Dezember, 16 Uhr 15

Gestern Abend: Nachdem sich die ganze Anspannung gelöst hatte, wollte ich mich nur kurz hinlegen. Ich direkt schlief ein. Die Aufregung des Tages entlud sich in Müdigkeit. So gut habe ich schon lange nicht mehr geschlafen.

Ich bin immer noch auf Wolke 7 – die Arbeit war ein Klacks. Seit ich wieder zuhause bin, habe ich das Geld mehrmals weggepackt und doch wieder hervorgeholt. Ich habe es auch genau inspiziert, markiert sollte es nicht sein. Wobei ich nicht mal weiß, was das überhaupt bedeutet. Es sind jedenfalls keine auffälligen Markierungen zu finden und die Scheine haben unterschiedliche Seriennummern. Es könnte natürlich sein, dass jemand die aufgeschrieben hat. Aber das würde ja gar keinen Sinn machen. Ich werde mich wegen der >>> weiterlesen

17. Dezember, 18 Uhr 27

Meine Pizza ist mittlerweile da, ich habe sogar schon geduscht und mich frisch gemacht. Außerdem habe ich noch ein paar Nachrichten hinterlassen. Wenn ich ehrlich bin, warte ich gerade auf einen Anruf wie ein Teenager-Mädchen nach einem Date. Wenn sich nicht bald jemand meldet, muss ich wohl alleine losziehen. Wenn die wüssten, in welcher Spendierlaune ich bin. Besonders Isy könnte den Abend ihres Lebens erleben.

Ich habe keine Lust mehr zu warten.>>> weiterlesen

17. Dezember, 22 Uhr 41

Erstmal eine Schlaftablette zur Beruhigung geballert…

Wie du merkst, liebes Tagebuch, ist dein Meister schon wieder zurück. Ich habe ein paar Läden abgeklappert, habe mich beliebt gemacht: Ein paar Runden geschmissen. Da ich, bis auf flüchtige Bekannte, niemanden getroffen habe, bin ich durch die Kneipen gezogen.

Schließlich bin ich im Kaos gelandet. Siehe da: Gefunden, was ich suchte. Isy war dort. Ich wollte sie gerade ein wenig anpflaumen, als ich gemerkt habe, dass die Ziege dort in Männergesellschaft ist! Deswegen hat sie sich totgestellt. Die hat sich da ihren Lover herbestellt. Ich war nicht in der Stimmung, eine Szene zu machen. Dann hätte ich den Typen nämlich platt machen müssen. Ich dachte mir: Sollen sich die beiden doch aussaugen.

Joa, >>> weiterlesen

18. Dezember, 0 Uhr 02

Das war geschehen: Ich bin mit meinem nettesten Lächeln, zwei eisgekühlten Flaschen Bier und einer großen – immerhin noch halben – Pizza hoch zu Anna.

Wegen der neugierigen Nachbarn wollte ich nicht klingeln. Ich habe also sachte geklopft, so wie wenn man auf seinem Schreibtisch Klavier spielt. Gewartet, nichts. Gewartet, nichts.

Dann hörte ich ein metallisches Rascheln, jemand hängte sie Sicherheitskette ein. Anna öffnete die Tür. Ich strahlte sie an. Ich war aus dem Häuschen, säuselte: „Na, wer ist denn da?“

Kein Gruß, kein nettes Wort. Sie schwieg. Das übliche Spiel: Ich musste das Eis brechen. Ich habe mich sogar für unseren Streit entschuldigt. Ja, richtig: unseren. Das habe ich gesagt! Ich hätte mich nicht entschuldigen müssen, aber habe es >>> weiterlesen

18. Dezember, 9 Uhr 57

Da habe ich frei und wache trotzdem so früh auf. Das ist pure Verschwendung.

Wann genau ich gestern beziehungsweise heute geschlafen bin, kann ich nicht genau sagen. Ich habe irgendwann Videos geschaut, bin letztendlich bei Dokumentationen über Straßenschlachten gelandet. Das Internet und seine Videos sind der beste Zeitvertreib.

An Details kann ich mich nicht erinnern. Kein Wunder: Gesoffen habe ich reichlich, das sehe ich. Die Lieferung vom Pizzaboten ist leer: 10 Flaschen stehen vor mir. Da war es doch gut, dass es nur die Kinderportionen von 0,33 Liter waren.

Nach einem Abend im Vollrausch ist es immer beängstigend, das Handy zu checken. Die Spurensuche nach dem Blackout beginnt mit einem Blick auf die gewählten Nummern und verschickten Nachrichten. Die Schritte >>> weiterlesen

19. Dezember, 16 Uhr 38

Ich saß vorhin am Computer. Er fuhr gerade hoch. Die alte Kiste lässt sich dabei immer mehr Zeit, also lehnte ich mich zurück. Mein Blick glitt über die Wand, geistesabwesend musterte ich die Decke, plötzlich zuckte mein Kopf Richtung Fenster.

Ich sah Blaulicht. Es spiegelte sich an der Fassade vom Haus gegenüber. Sofort der innere Monolog der Beruhigung: Ohne Sirene ist es kein Notfall. Vergebens. Der Dialog begann: Notfall ohne Sirene heißt, sie wollen mich überraschen. Ich saß in der Falle. Jetzt war es soweit. Ich verfluchte sie alle, am meisten mich selbst. Ich rannte zum Fenster, habe es aufgerissen und geschaut, welche Einsatzstärke mich erwarten würde.

Es war ein Krankenwagen. Die Entspannung wollte sich nicht einsetzen, denn die Sanitäter >>> weiterlesen

20. Dezember, 17 Uhr 42

Die Mutter von Anna konnte mir gestern nicht mehr viel sagen, nachdem sie die beiden Sätze heraus bekam, brach sie in Tränen aus. Ich glaube, das Geräusch, das sie kurz innehalten ließ, war ein Leichensack, der zugezogen wurde. Ich hätte sie gerne umarmt, aber ich konnte nicht. Ich ging runter. Kommentarlos, ohne irgendetwas zu sagen.

Schockstarre für ein paar Stunden. Ich dachte an Anna, dachte an uns. Dann sah ich das Gesicht ihrer Mutter vor mir.

Ich nahm mir vor, für Gerechtigkeit zu sorgen. Auf die Kuscheljustiz dieses Landes kann man sich sowieso nicht verlassen. Ich würde das erledigen, versprach ich Frau Behrens im Geiste. Dafür musste ich erfahren, was passiert ist. Hoffentlich war es keine blutige Tat, kein unappetitlicher >>> weiterlesen

21. Dezember, 16 Uhr 12

Eigentlich sollten mein erfolgreicher Coup, mein neuer Reichtum mich glücklich machen. Aber es ist so unfassbar unfair, dass Anna gestorben ist. Sie war nie krank. Diese Ungewissheit, dass sie getötet wurde oder sich vielleicht wegen mir umbrachte, nagt an mir.

Ich musste mich ablenken, endlich wissen, was passiert war. Ich begab mich auf Spurensuche und landete immer wieder in einer Sackgasse. Ich fand bei mir keine Adressen, keine Hinweise auf das Leben von Anna. Es war zum Verzweifeln: Auch im Krankenhaus bekam ich keine Auskunft, den Besuch hätte ich mir sparen können. Ich freundete mich schon mit dem Gedanken an, in ihre Wohnung einzubrechen. Einzig die Angst vor der Polizei lähmte mich.

Geistesabwesend musterte ich meine Wohnung. Die Murmeln in >>> weiterlesen

22. Dezember, 16 Uhr 47

Meine Schichten im Kiosk bin ich ohne Probleme und große Worte losgeworden. Geld ist so kurz vor den Feiertagen bei allen Kollegen willkommen.

Statt Weihnachten mit Anna zu feiern, muss ihre Familie die Beerdigung planen. Ich wünschte, hier alles aufzuschreiben wäre befreiend gewesen. So einfach macht es mir mein Gewissen nicht.

Eigentlich müsste ich etwas essen, aber das spielt eh keine Rolle. Ich liege doch nur auf der faulen Haut. Ich habe mein Bett schon länger nicht verlassen, 1,40 Meter genügen. Es ist meine kleine Welt, in der mich niemand stört. Die Realität hat Einreiseverbot.Alles ist still, nichts bewegt sich. Bis ich den Kopf schüttele, ungläubig vor den Augen haben, wie ich Anna an ihrem Handgelenk zu mir zog. Ich >>> weiterlesen