Druck: Teil 9

Unsereins ist zu pflichtbewusst!

Da gibt man sich bei Sachen, die man nicht mal machen will, sinnloserweise so viel Mühe, die weder Auftrag noch Auftraggeber verdient hat. Auf Anerkennung hofft man immer wieder vergeblich wie auf den Lottogewinn.

Du musst dich nicht in jede Aufgabe, die dir aufgezwängt wird, voll reinhängen. Schludern, wie es die Mehrheit macht, reicht vollkommen. Wir ordnen uns manchmal in den falschen Momenten ein, und treten im falschen Augenblick aus dem Schatten: dann, wenn es was zu tun gibt. Übrigens können auch andere mal zurückstecken wie ein Staubsaugerstecker, wenn man noch eine Staubfluse unterm Bett entdeckt. Dazu bist nicht nur du verpflichtet. Aus Angst dass sich jemand denkt, wir liegen auf der faulen Haut, nehmen wir noch mehr Arbeit auf, obwohl der eigentliche Job schon erledigt ist. Darf ja niemand denken, man ist träge, obwohl man schnell arbeitet. Dann lieber eine doppelte Portion Akten. Einmal Nachschlag, bitte.

Es geht fast immer nach hinten los, wenn man sich bei Sachen, in die man keinerlei Investition hat, viel Mühe gibt. Es erinnert an Hausaufgaben in der Schule. Man nimmt sich den ganzen Nachmittag Zeit, argumentiert sich beim Aufsatz die Finger wund. Frau Lehrerin hakt es genau so an, wie bei der faulen Socken, die im Bus abgeschrieben hat. Der hatte nen schönen Nachmittag. Da kann man nur schlucken: Frustfressen. Dienst tun reicht manchmal mit halber Kraft. Auch im Alltag reicht halbe Kraft. Wenn man Kehrwoche hat, aber das Treppenhaus strahlt, kann man auch im Vorspulen wischen. Fenster müssen nicht jede Woche geputzt werden. Das hat bei euch früher nur funktioniert, weil dich deine Mutter zum Helfen verdonnert hat. Heutzutage: Hat sie Rücken oder der Frisör kam der, falls du es wagst nach den Fenstern fragen. Energie kann man nicht nur im Haushalt verschwenden.

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